WILLKOMMEN zur ersten KOLUMINATION

einem vergnügtem Lesen, Lauschen, Lachen mit den besten Kolumnisten und Slammer

25./26. Oktober 2019
Säntis, Schwägalp - Schweiz

Gipfeltreffen und -Lesungen der besten deutschsprachigen Kolumnisten und Poetry-Slammer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Ein vergnügtes Lesen, Lachen und Nachdenken zum Thema «Grenzen».

Kolumnen sind sehr beliebt, aber höchst heterogen: Es gibt Glossen, stilistische Glanzstücke, politisch zugespitzte Artikel, eher trockene Analysen, theoretische Abhandlungen, konkrete Beispiele, und es gibt sie zu allen Themen, auch zu Alltagssituationen. Trotz der grossen Beliebtheit von Kolumnen und der Bekanntheit vieler ihrer Autoren gibt es keine Veranstaltung für ausschliesslich für gern und viel gelesene Kolumnisten.

Die KOLUMINATION ändert dies und soll das führende Kolumnisten-Treffen im deutschsprachigen Raum werden. Die Kolumne ist eine wichtige journalistische Stilform. Sie ist die personifizierte Meinungsäusserung eines wortgewaltigen Journalisten, einer wortgewaltigen Journalistin – in Zeiten von Fake News und meist anonymem Online-Journalismus bringt sie ein Stück Glaubwürdigkeit in Branche und Öffentlichkeit.

Der Poetry Slam, die gesprochene Kolumne, stellt eine jugendliche, ebenfalls verdichtete Form der Meinungsbildung dar. Er soll am Anlass bewusst neben die geschriebene Kolumne gestellt werden. Damit wird die Kolumination auch zum generationenübergreifenden Anlass.

Die KOLUMINATION will die Bedeutung der geschriebenen und gesprochenen Kolumne für die Meinungsbildung in einer freien und liberalen Gesellschaft würdigen und fördern. Und dies dort, wo die Voralpen kulminieren - auf dem Gipfel des Säntis.

Programm

Grenzen prägen unser Leben. Wir stossen täglich an Grenzen. Am Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz spielen naturgemäss die geografischen und politischen Grenzen eine besondere Rolle. Man lebt hier seit Jahrhunderten an der Grenze und mit der Grenze. Aber der Begriff ist weiter zu fassen. Es gibt kulturelle und sprachliche Grenzen, wirtschaftliche Grenzen, Grenzen der Macht und des Rechts, Grenzen unserer Erkenntnis und unserer Fähigkeiten. Auch die Moral und das Gewissen setzen uns Grenzen. Grenzen sind Trennlinien und werden daher oft als hinderlich wahrgenommen. Doch der Grenzenlosigkeit haftet – vielleicht wegen der darin enthaltenen Utopie – ebenfalls ein negativer Unterton an. Grenzen geben also auch Halt und Sicherheit. Grenzen können beseitigt oder durchlässiger gemacht werden, sie können verschoben und neu gezogen werden, sie können ausgelotet und überschritten werden.

An der ersten KOLUMINATION werden sich die sechs Kolumnisten in ihren beiden Kolumnen, die sie vortragen, mit dem Thema «Grenzen» beschäftigen:

Kolumne 1: Grenzen (freie Wahl)
Für die erste Kolumne ist die Autorin bzw. der Autor völlig frei, einen der unzähligen Aspekte des Themas «Grenzen» (Grenzen in den Köpfen, Grenzen im Zusammenleben, Grenzen in Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur etc. etc.) aufzugreifen. Es muss einfach um den Begriff «Grenze» gehen.

Kolumne 2: Landesgrenze
Die zweite Kolumne ist der «Landesgrenze» gewidmet, und zwar explizit den Grenzen zwischen Deutschland, Österreich und Schweiz (oder zwischen zwei der drei Länder). Wie sehen wir die anderen Länder, wie und wo erleben wir die Landesgrenzen, wo grenzen wir uns ab, was macht die Grenze aus uns? Wo ist sie wichtig und wo störend?

Die zeitliche Grenze bei beiden Kolumnen ist auf maximal 5 Minuten Lesezeit beschränkt.

Die KOLUMINATION wird von einem international breit abgestützten Beirat begleitet:

Hans Höhener, Vereins-Präsident, Regierungsrat AR a.D. und ehem. VR-Präsident Säntisbahnen, Herisau CH (A)
Reinhard Frei, Inhaber freicom ag, St.Gallen, CH (A)
Hendrik Groth, Dr., Chefredaktor, Schwäbische Zeitung, Ravensburg, D
Margit Hinterholzer, Magisch - Agentur für Kunst und Kommunikation, Altach, AT
Wolfgang Heyer, Dorfstrasse 39, D-Bodnegg, D
Thomas Kirchhofer, St.Gallen-Bodensee-Tourismus, St.Gallen (A)
Richi Küttel, Spoken Word Poet, Texter, Moderator, Protokollant, St.Gallen, CH (A)
René Lüchinger, Publizist, Lüchinger Publishing, Zürich, CH
Harald Martenstein, Kolumnist der Zeit, Berlin, D
Gerold Riedmann, Chefredaktor, Voralberger Nachrichten, Schwarzach, AT
Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt, St.Gallen, CH
Gerhard Schwarz, Dr., ex. Chef Wirtschaft der NZZ, Publizist, Präsident Progress Foundation, Zürich, CH (A)
Marcel Steiner, Verleger und Inhaber Verlagshaus Schwellbrunn, Schwellbrunn, CH (A)
(A = Ausschuss)

Freitag, 25.10.2019
KOLUMINATION – Die historische und die geschriebene Kolumne

Ab

14:00 Uhr

Fahrt auf den Säntis & Saalöffnung

14:30 Uhr

Eröffnung der KOLUMINATION
Hans Höhener, Vereins-Präsident
Hanspeter Trütsch, Moderator

14:45 Uhr

Die historische Kolumne: «Die Rolle des Intellektuellen in der Politik».
Matthias Flückiger liest Kraus, Tucholsky etc.

15:30 Uhr

Musikalisches Intermezzo

15:45 Uhr

Die aktuelle Kolumne (1): «Grenzen»
Harald Martenstein, Doris Knecht und
Nicole Althaus lesen je zwei Kolumnen zum Thema «Grenzen»

16:30 Uhr

PAUSE

17:00 Uhr

Die aktuelle Kolumne (2): «Grenzen»
Jan Fleischhauer, Hans Rauscher und Katja Früh lesen je zwei Kolumnen zum Thema «Grenzen»

17:45 Uhr

Musikalischer Abschluss

18:00 Uhr

Apéro / Weindegustation mit Philipp Schwander

18:30 Uhr

Gemeinsames Abendessen mit den
Kolumnisten und Slammern. Die Teilnehmer entscheiden mittels Talon, welches Thema die Poetry-Slammer am Folgetag präsentieren

Ca.

21:15 Uhr

Ende des 1. Teils der KOLUMINATION
Talfahrt zum Hotel mit dem «Schreck-Mümpfeli», gelesen von Matthias Flückiger

Samstag, 26.10.2019
KOLUMINATION – Die gesprochene Kolumne: Slam
8:30 Uhr

Fahrt auf den Säntis

9:00 Uhr

Buffet-Frühstück auf dem Säntis

9:50 Uhr

Begrüssung KOLUMINATION-Slam
Hans Höhener, Vereins-Präsident
Wolfgang Heyer, Moderator

10:00 Uhr

Die gesprochene Kolumne: Slam
Christian Kreis, Stefan Abermann und Etrit Hasler tragen ihren Poetry Slam vor. Moderation: Wolfgang Heyer

10:45 Uhr

Musikalisches Intermezzo

11:00 Uhr

Ehrenpreis der KOLUMINATION
Verleihung des «Preis der KOLUMINATION» an Beat Kappeler
Laudatio durch Dr. Gerhard Schwarz, Publizist

11:30 Uhr

Musikalischer Abschluss und Verabschiedung

12:00 Uhr

Ende der KOLUMINATION

Anmeldung

Melden Sie sich noch heute für die KOLUMINATION an. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.

Es werden folgende Ticket Kategorien angeboten:

  • 1 Tagespass Freitag:

    • 1x Berg- und Talfahrt
    • Kaffee und Nussgipfel-Radli (Pause)
    • Abendessen mit Kolumnisten und Slammer
    • Mineralwasser und Kaffe zum Abendessen
    • Musikalische Unterhaltung
    • Wein-Degustation mit Philipp Schwander
    • Überraschungs-Schreck-Kolumne auf Rückfahrt
    Nur Freitag (CHF 105.00)
    EUR 95.00
    Ticket kaufen
  • 1 Tagespass Samstag:

    • Samstags-Programm Slam und Verleihung "Preis der Kolumination"
    • 1x Berg- und Talfahrt
    • reichhaltiges Frühstücksbuffet auf dem Säntis
    • Kaffee und Snack (Pause)
    • Begleitprogramm
    Nur Samstag (CHF 90.00)
    EUR 80.00
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  • Freitag & Samstag, mit Übernachtung
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    2 Tagespass pro Person für Freitag und Samstag:

    • Freitag- und Samstag Programm (Kolumination und Slam)
    • Übernachtung im Hotel Säntis, Schwägalp, im DZ
    • Reichhaltiges Frühstücksbuffet auf dem Säntis
    • 2x Berg- und Talfahrt auf Säntis
    • Pausen-Verpflegungen Freitag und Samstag
    • Abendessen mit Kolumnisten und Slammer
    • Mineral und Kaffee zum Abendessen
    2 Tage im Doppelzimmer (CHF 286.00)
    EUR 255.00
    2 Tage im Einzelzimmer (CHF 296.00)
    EUR 265.00
    Ticket kaufen
  • Freitag & Samstag, ohne Übernachtung
    Ticket kaufen

    2 Tagespass pro Person für Freitag und Samstag:

    • Das Programm ist identisch wie bei den einzelnen Tagen Freitag und Samstag.
    Nur Freitag und Samstag (CHF 195.00)
    EUR 175.00
    Ticket kaufen
Aktuelles
CFA Franc – 2015
Kolumne von Beat Kappeler, 2015 Das Flüchtlingscamp in Calais hat eine kleine Sensation hervorgebracht. Nicht der tägliche Ausbruchsversuch ist bemerkenswert, sondern echte „Volkswirtschaft“ die keimt und blüht. Ein kurzes Video der Finanzagentur Bloomberg zeigte diese Woche, wie sich die Afrikaner in Calais selbst organisieren. Das Camp zählt schon mehrere Restaurants, ein Haus der Spiele, eine Sanitätsstelle und einige Discos. Der Afrikaner, der durchs Video führt, insistiert: echtes, flackerndes „Disco light“ sei installiert. Auch eine Kirche entstand, mit süsslichem Herz-Jesu-Bild, der übliche nordische Typ mit blauen Augen. Das alles wurde aus Abfällen, Spenden, aus Zusammengebetteltem von den jungen Afrikanern aufgebaut. Sie können es also, sie wollen es. Aber warum geht das nicht in Senegal, Mali, Kamerun? Denn Millionen sind aus Westafrika geflüchtet, jene Länder haben sich recht eigentlich entleert. Das geht momentan wegen der eritreischen und syrischen Flüchtlinge unter, aber der eigentliche, jahrelange Flüchtlingsstrom kommt über die Wüstenpfade aus Westafrika. Senegal verlor etwa eine Million von 12,7 Millionen Einwohnern, Mali 3 von 14 Millionen, die Elfenbeinküste 1,5 Millionen von 20 Millionen, der Kongo viele Millionen. Statistisch gezählt wird kaum mehr, denn es geniert die Regierenden ziemlich. Andererseits haben sie sich mit den anderswo verdienenden Emigrantenheeren arrangiert, denn diese Länder beziehen nun schon 10 bis 30% des Sozialprodukts aus Rücküberweisungen. Wie bequem für die Regierungen, wie beruhigend für die verbleibenden Älteren, und welch ein Anreiz für Junge abzuhauen. Denn in Westafrika ist kein Auskommen, und auch dafür ist der Euro schuld. Besser gesagt, die Anbindung der 14 westafrikanischen Länder seit 1960 zuerst an den französischen Franc, dann an den Euro. Vierzehnmal Griechenland, mit einem zu hohen Aussenkurs, mit erzwungener interner Abwertung, ohne Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Welt, gegenüber den abwertenden Dollar-Ökonomien Asiens. Und das seit 55 Jahren! Und ohne 270 Milliarden Hilfe pro 11 Millionen Einwohner. Die Ökonomie dahinter ist unschwer erkennbar. Die Exporte sind stark behindert, vor allem was industriell verarbeitet werden könnte. So gehen die rohen Säcke Kaffee, Kakao, Erdnüsse, Baumwolle ohne weitere Wertschöpfung weg. Die Importe aus Frankreich, aus Europa hingegen sind verführerisch billig, sogar Nahrungsmittel für die Mittelschichten. Aber auch der ganze Luxus für die Oberschicht ist erschwinglich. Den Bauern vom Land bleibt nur, in die Städte zu ziehen und von Almosen zu leben – oder auszuwandern. Sodann kann die Oberschicht ihre Gelder seit 55 Jahren zu Höchstkursen nach Paris senden. Frankreich, und dahinter die Euroregion, betreiben abstossendsten Neokolonialismus, und niemand schaut hin. Man kann im Internet die devot salbadernden Konferenzen westafrikanischer Präsidenten, Minister und Professoren verfolgen, wo eine Abwertung dieses CFA-Franc erwähnt und sofort abgelehnt wird. Immerhin wagte eine Studie der afrikanischen Entwicklungsbank festzustellen, der CFA-Franc sei überbewertet und ein System geregelter Kursanpassungen wäre besser. Dagegen wird immer das Schreckbild der Abwertung dieses Franc um 50% in einer Januarnacht 1994 durch einen Federstrich des französischen Finanzministeriums angeführt. Die Importpreise verdoppelten sich über Nacht. Verschwiegen wird, dass ein Exportboom sondergleichen folgte. Er verebbte, weil Reformen ausblieben, und niemand so frei wie im Lager von Calais Firmen gründen und führen durfte. Man erinnert sich: der nordafrikanische Frühling wurde ausgelöst durch einen tunesischen Orangenverkäufer, der keine Bewilligung bekam und sich anzündete. Alle diese Regimes sind verhockte Bürokratien, die Akademiker sitzen in Regierungsbüros, draussen herrschen die Stammesälteren. Der Westen sendet ein bisschen Entwicklungshilfe, lässt aber die Regierenden im faulen Frieden. Ebenso dulden alle Staaten das Regime in Eritrea seit 1993, das die Jungen zwangsrekrutiert, weniger für den Kampf, sondern für durchschnittlich über sechs Jahre Zwangsarbeit an Strassen, Bewässerungen. Aber die Friedhofsruhe einer Diktatur an der Zufahrt zum Suezkanal ist natürlich wichtiger. Dieser jetzt erweiterte Suezkanal wurde offenbar von Militärfirmen Ägyptens mitgebaut, und das Militär zwingt seine Rekruten oft zur Arbeit in seinen Fabriken. In Niger schätzte 2005 eine Studie die Sklaven auf 800'000 Personen. Afrika versinkt in Sklaverei aller Schattierungen und entleert sich. Daher gilt es, wie in Griechenland, die sogenannten Strukturen zu ändern, nicht zu helfen. Die Währungsanbindung Westafrikas ist eine dieser versklavenden Strukturen.
Über schwindende Intelligenz
Kolumne von Harald Marteinstein, ZEITMAGAZIN NR. 32/2018 1. AUGUST 2018 Ich habe eine nachdenklich machende Mail bekommen, auf Englisch. Hier die gekürzte Übersetzung: "Wir sind von der Homeland Security und dem FBI damit beauftragt worden, Sie wegen Geldwäsche und Terrorismus zu verfolgen. Die Indizien sind überwältigend. Innerhalb von 72 Stunden werden Sie verhaftet. Sie können der Verhaftung entgehen, indem Sie 66 Dollar mit Western Union an die folgende Adresse überweisen." Der Geldeinzieher des FBI wohnt in Cotonou, Republik Benin. Wenn solche Mails völlig erfolglos blieben, dann würde sich keiner mehr die Mühe machen, sie zu versenden. Ich habe mich gefragt, wer so dumm ist, dass er darauf hereinfällt. Ein Mensch, der so dumm ist, kann doch unmöglich die intellektuellen Herausforderungen einer Geldüberweisung bewältigen. Ist nicht auch die Dummheit ein Wunder der Schöpfung? Auch die Dummheit bringt Staunenswertes hervor. In Europa sinkt seit den Neunzigerjahren der durchschnittliche Intelligenzquotient. Über das Tempo gibt es unterschiedliche Angaben, die, je nach Studie, von zehn bis zwanzig Punkte pro Jahrzehnt reichen. Der britische Ethnologe Edward Dutton checkt regelmäßig den IQ skandinavischer Wehrpflichtiger, der bei der Musterung ermittelt wird und so zuverlässig abschmilzt wie die Gletscher in den Alpen. Es scheint ein länderübergreifendes europäisches Phänomen zu sein, das mittlerweile gut belegt ist, aber für deutlich weniger Unruhe sorgt als der Klimawandel. Man weiß auch nicht so recht, was man dagegen tun könnte. Was ist die Ursache? Ich habe etliche Theorien gefunden. Manche behaupten, das Sinken des IQ sei eine Folge der Chemikalie PCB, andere halten das Phänomen für eine Folge des Jodmangels oder aber eine Begleiterscheinung der Überalterung, was für die skandinavischen Wehrpflichtigen sicher nicht zutrifft. Rechte machen gern den Islam und die Migration für den sinkenden IQ verantwortlich. Die Theorie, dass der Intelligenzschwund eine Nebenwirkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft ist, dürfte dagegen eher bei Anhängern der Grünen auf Zustimmung stoßen. Ich vermute, dass Oskar Lafontaine den sinkenden IQ relativ einleuchtend aus dem US-Imperialismus ableiten kann. Und wenn man Wladimir Putin mitten in der Nacht weckt und fragt: "Warum werden die Leute immer dümmer?", dann sagt er garantiert: "Es liegt an den Schwulen." Ich dagegen würde sagen: "Die Schulen werden immer schlechter. Es sind die Bildungsreformen." Eine andere Denkschule kritisiert einfach den IQ-Test. Der Test sage nichts über echte Intelligenz aus. Man müsste demnach so lange an dem Test herumfummeln, bis er wieder wunschgemäß funktioniert und, wie noch in den Achtzigerjahren, eine stetig steigende Intelligenz anzeigt. Dann wäre das Problem gelöst. Andere sagen, dass "Intelligenz", ähnlich wie "Geschlecht", nur ein soziales Konstrukt sei, also gar nicht existiere und folglich auch nicht sinken könne. In eine ähnliche Richtung geht der Vorschlag, in Zukunft lieber die "emotionale Intelligenz" zu messen. Da kann man nur hoffen, dass die nicht auch sinkt. Indizien dafür sehe ich. In Wirklichkeit muss man sich über den sinkenden IQ keine Sorgen machen. Ein Dummer weiß nämlich nie, dass er dumm ist. Um seine Dummheit zu erkennen, bräuchte er ja Intelligenz. Der Satz "Ich bin dumm" kann folglich nur von einem halbwegs intelligenten Menschen gesagt werden. Das heißt, bei stetig sinkender Intelligenz löst sich das Problem irgendwann von alleine, weil alle sich für klug halten und mit sich selber total zufrieden sind.
Demokratie wird ohnehin überschätzt
Kolumne von Jan Fleischhauer im Speigel vom 11.04.2019 **Der Aufschub beim Brexit bedeutet nur eine Verlängerung der Qualen. Den Briten bleibt noch ein Ausweg: Ihre Majestät, die Königin, zieht die Entscheidungsgewalt an sich.** Der "Guardian" hat mir eine Mail geschickt. "Hi Jan, ich weiß nicht, wie genau Sie Großbritanniens surreal komplizierten, nervenaufreibenden Weg in Richtung Brexit verfolgt haben", schrieb mir Julian Coman vom Meinungsressort. "Es wäre toll, wenn Sie einen Artikel schreiben könnten, wie das Ganze aus deutscher Sicht aussieht." "Es gibt zwei Dinge, die man niemals ausschlagen sollte: Sex und die Chance, im Fernsehen aufzutreten", hat Gore Vidal einmal gesagt. Außer Sex und TV-Zugang gibt es für einen Deutschen ein weiteres Angebot, das er nicht ablehnen kann: Die Gelegenheit, in einem britischen Vorzeigeblatt seine Meinung über den Brexit auszubreiten. Endlich die Chance, sich für 70 Jahre Witze über die Hunnen, den Blitzkrieg und die deutsche Unfähigkeit zum Humor zu revanchieren! Das Problem ist nur: Kommt das Angebot nicht zu spät? Ich fürchte, wir sind an dem Punkt angelangt, wo sich Hohn und Spott verbieten. Die einzig angemessene Reaktion auf die britischen Bemühungen, den Ausgang zu finden, scheint mir Beileid zu sein. Beileid ist keine gute Basis für Witze. Ich hatte immer den Verdacht, dass es bei den Verhandlungen in Brüssel darum ging, an den Briten ein Exempel zu statuieren. Seht her, das passiert mit Ländern, die unsere wunderbare Gemeinschaft verlassen wollen! Wer wäre auf die Idee gekommen, dass unsere englischen Freunde die Selbstdemontage ganz ohne Zutun aus Brüssel bewerkstelligen würden - und das noch viel radikaler, als sich das selbst der verstockteste EU-Bürokrat ausdenken kann. Die Frist-Verschiebung, die man den armen Briten gewährt hat, bedeutet ja keine Lösung, sondern nur eine Verlängerung der Qual. Man hätte gewarnt sein können, das ist wahr. Ein Volk, bei dem es zu den sexuellen Präferenzen gehört, sich beim Geschlechtsakt eine Plastiktüte über den Kopf zu ziehen, neigt auch im parlamentarischen Alltag zu Handlungen, die nicht immer wohlüberlegt sind. Wenn man so will, ist der Brexit das politische Äquivalent zu einer furchtbar schief gegangenen Form der Selbststrangulierung. Man dachte, es würde gut gehen. Aber dann fehlte plötzlich der Sauerstoff. Es gibt aus meiner Sicht nur eine Lösung: Ihre Majestät, die Königin, muss die Kontrolle übernehmen. Wenn es jemanden gibt, der noch in den schwierigsten Situationen mit Würde agiert, dann Elizabeth II. **Zwei, drei wohlgesetzte Sätze, und der Brexit-Spuk wäre vorbei** Ich meine, die Frau hat Hitler und die V2 überlebt, den "Großen Smog" von 1952 und den "Winter des Missmuts", als die Gewerkschaften das Land lahmlegten und sich der Müll bis zum Dachfirst türmte. Sie hat alles mitgemacht, was das britische Königreich in den vergangen 90 Jahren an Heimsuchungen erlebt hat, ohne ein Wort der Klage oder der Unduldsamkeit. Ich bin sicher, zwei, drei wohlgesetzte Sätze von ihr, und der Brexit-Spuk (oder wie Europaminister Michael Roth sagen würde: "the big shitshow") wäre vorbei. Ich frage mich manchmal, wie die Königin aus ihrem Palast in der City of Westminister wohl die Entwicklung sieht. Als sie geboren wurde, reichte das Britische Empire von Neufundland bis Papua-Neuguinea und umfasste beinah ein Viertel der Weltbevölkerung. Heute ist es eine liebliche Insel inmitten der Nordsee, die in rasender Geschwindigkeit dabei ist, sich in der politischen Bedeutung auf die Größe von Island zuzubewegen. Was mag Elizabeth von Leuten halten, die eben noch die Zukunft in den rosigsten Farben ausmalten und nun nicht mal in der Lage sind, die nächste Woche vorauszuplanen? Jeder Hofstaat kennt den Possenreißer, der zum Amüsement des Publikums seine Narreteien veranstaltet. Aber nie wäre ein König auf die Idee gekommen, dem Narren die Geschicke des Landes anzuvertrauen. Ich weiß, der Königin sind in einer konstitutionellen Monarchie enge Grenzen gesetzt. Aber wenn man John Bercow, den Sprecher des Unterhauses, bitten würde, einmal gründlich nachzusehen, würde er schon eine Regel finden, warum es angezeigt ist, der Königin in diesen Schicksalstagen die Entscheidungsgewalt zu übertragen. Das ist ja der Vorteil, wenn man auf ein paar Jahrhunderte monarchistischer Tradition zurückblicken kann: Irgendwo findet sich immer eine Klausel, die einen legitimiert. Demokratie ist ohnehin eine überschätzte Veranstaltung, machen wir uns nichts vor. Die Wahrheit ist, sie funktioniert nur leidlich, wenn die Zahl der Wähler, die keine Ahnung haben (oder schlimmer noch: die denken, sie hätten welche) am Wahltag nicht zu groß ist. **Eine vorübergehende Rückkehr zur Monarchie wäre ein vernünftiger Schritt** Die meisten Kommentatoren klagen über schlechte Wahlbeteiligungen. Wenn bei einer Wahl mehr Leute zu Hause bleiben als bei der Wahl zuvor, heißt es bei uns gleich, die Demokratie sei in Gefahr. Das genaue Gegenteil ist richtig. Dass unser System relativ stabil ist, verdanken wir auch der Tatsache, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wählerschaft am Wahltag zu desinteressiert oder zu betrunken ist, um rechtzeitig das Wahllokal zu finden. Wenn alle wählen würden, die wählen dürften, würde es viel öfter zu einem Ereignis wie dem Brexit kommen. Auch deshalb wäre eine vorübergehende Rückkehr zur Monarchie ein vernünftiger Schritt. Die Reaktion von der Insel war interessanterweise durchaus ermutigend. Eine Reihe von Lesern, die meinen Vorschlag im "Guardian" gelesen hatten, lieferte Hinweise, unter welchen Bedingungen die Königin die Entscheidung an sich ziehen darf. "Es lassen sich durchaus Präzedenzfälle für eine Intervention der Krone finden", schrieb mir ein Mr. Ryan, ausweislich seiner Mailsignatur Partner einer großen britischen Anwaltskanzlei. "Obwohl Verfassungsexperten oft sagen, dass ein Handeln der Königin ohne ministerielle Autorität die Monarchie zerstören würde - ist doch absolut klar, dass der Krone die Macht zukommt, in einer außergewöhnlichen Situation wie dem Brexit einzugreifen."
Alles innerhalb der tolerierbaren Grenzen - Doris Knecht
Kolumne von Doris Knecht im Falter Nr. 26/19 vom 26.06.2019 Wieder viel am Land. Es schreibt sich effizienter, wenn es kühl ist und still und man nicht kochen und kümmern und Teenagerwäscheberge ignorieren muss. Es ist nicht zu still: Wald rauscht, Vögel lamentieren, Traktoren rumpeln, Kühe muhen, Hummeln brummen, am Abend zirpen die Grillen, und ein paar Freunde zirpen mit. Und doch ist es ein bisschen zu still: Der letzte Pfau der Horwaths ist den Weg gegangen, den alle Pfaue der Horwaths gegangen sind, er ging dem Fuchs durch den Magen. Ich hab kürzlich in der Cselley-Mühle ein paar alte Pfauengeschichten vorgelesen, wie mich die Horwath-Pfaue mit ihrem Morgenliedchen wachrockten um halb fünf in der Früh. Nie hätte ich gedacht, dass ich das einmal sagen würde, und der Horwath braucht es auch nicht zu wissen, aber der Pfau fehlt mir. Er hatte nicht mal mehr einen Namen, der ichweißnichtwievielte seit Cindy und Bert, den ersten beiden Horwath-Pfauen. Die namenlose Frau vom namenlosen Pfau war auch schon längst gefressen worden, also war dieser Pfau immer allein durchs Dorf spaziert, war von Dach zu Dach geflattert, hatte ein bisschen, aber nicht allzu viel rumgeschrien, es war alles innerhalb der Pfauen zugestandenen Toleranzgrenze, finde ich, auch wenn's einmal geknallt hat, als der Pfau den Nachbarn den verdienten Fernsehabend zerschrien und das Kind geweckt hat. Aber der Pfau spazierte am nächsten Tag wieder herum, verlangsamte auf der Straße die Autos, was nie falsch ist, kam manchmal zu mir in den Garten, pickte in der Wiese herum und schlug hin und wieder ein höchst ansehnliches blaues Rad. Er war eigentlich ein vorbildlicher Pfau. Dann war er weg. Der Horwath hirschte ein paar Mal mit dem Minirad durchs Dorf und die angrenzenden Felder und Waldränder entlang, aber der Pfau wurde nicht mehr gesehen. Unlängst waren die Horwaths und ich beim Rosentag auf der Rosenburg, und alle sind wir bei einem bestimmten Geräusch hochgesprungen: Ah, ein Pfau! Ich sagte, kürzlich habe ich mir eingebildet, dass ich im Dorf einen Pfauenschrei gehört habe, und die Horwathin sagte: Ich auch!, und wir blickten streng den Horwath an, aber er schaute unschuldig und sagte, er weiß von nix, er hat nirgends einen versteckt. Ich weiß jetzt auch, warum die Rosenburg Rosenburg heißt: Der Rosengarten ist in der Tat überwältigend und nirgends ist ein Pfau optisch besser aufgehoben als zwischen englischen Rosen mit Namen wie Lady Emma Hamilton, Getrude Jekyll und William &Catherine. Ich mag Rosen, sie sind ein unkompliziertes, ja masochistisches Gewächs, man füttert es mit Wasser und ein bisschen Dünger, es brüllt nicht herum, und es blüht umso schöner, je brutaler man es zurückschneidet. Die Farben sind manchmal so intensiv, dass es wirkt, als hätte die Natur zu viel Filter über die Blüten gelegt, und das ist alles echt. Ich habe mir eine Ghislaine de Féligonde gekauft, sie wird die Hauswand hochblühen in Weiß und zartem Hellorange, und ein Pfauenrad würde gut damit harmonieren.